Doppelbindung
Eine Mutter schenkt ihrem Sohn zwei Sporthemden. Wenn er eines der beiden anzieht, blickt sie ihn traurig an und sagt: „Das andere gefällt dir nicht?“ (Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein)
Paul Watzlawick und Gregory Bateson sind verantwortlich für eine der wohl genialsten Theorien über Kommunikationsparadoxien:
Ein junger Mann, der sich von einem akuten schizophrenen Schub ziemlich gut erholt hatte, erhielt im Hospital Besuch von seiner Mutter. Er freute sich, sie zu sehen, und legte ihr impulsiv seinen Arm um die Schulter, worauf sie erstarrte. Er zog seinen Arm zurück, und sie fragte: “Liebst du mich nicht mehr?” Er wurde rot, und sie sagte: “Lieber, du mußt nicht gleich so verlegen werden und Angst vor deinen Gefühlen haben.” Der Patient war danach nicht in der Lage, länger als ein paar Minuten mit ihr zu verbringen, und nachdem sie weggegangen war, griff er einen Assistenten an und wurde ins Bad gesteckt. (Bateson et al.,1969, S. 29)
Ein double‑bind ist eine Mitteilung, die
a) etwas aussagt,
b) etwas über ihre eigene Aussage aussagt, und
c) so zusammengesetzt ist, dass diese beiden Aussagen einander negieren bzw. unvereinbar sind … Der Empfänger dieser Mitteilung kann der durch sie hergestellten Beziehungsstruktur nicht dadurch entgehen, dass er entweder über sie metakommuniziert (sie kommentiert) oder sich aus der Beziehung zurückzieht. (Watzlawick et al 1969, S. 196).
Unter Doublebinds versteht man eine “paradoxe Kommunikation”. Verbale und nicht verbale Signale stehen dabei regelmäßig in Widerspruch zueinander: Durch das Verhalten oder die Körpersprache wird also der eigentlichen Aussage widersprochen. (Quelle: losgedanken.wordpress.com)
Schwierig ist es, wenn man als Kind in einer Familie aufwächst in der paradox kommuniziert wird. Kinder sind vom Wohlwollen der Eltern abhängig. Sie müssen sicher sein die Gefühle und Aussagen der Eltern richtig einzuordnen. Sie haben nicht die Möglichkeit auf widersprüchliche Signale angemessen zu reagieren, weil ihnen die notwendigen Strategien noch fehlen und das Herstellen eines ausreichenden Abstandes zur Situation nicht gelingen kann (Kommunikation auf einer Meta-Ebene). (ebenda)
Doublebinds kommen oft in Folge eines Traumas zu Stande (”Totschweigen” der Ereignisse und “Übergehen zur Tagesordnung”). Wie schon beschrieben, können sie bei Kindern die diesem Verhalten längere Zeit ausgesetzt sind aber auch selbst traumatisierend wirken und letztlich sogar eine Schizophrenie begünstigen. Die so geprägten Kinder neigen dazu ihren eigenen Gefühlen zu misstrauen. (ebenda)
Ein weiteres Beispiel, gefunden in wikipedia:
Mutter: Ich bin nicht böse, dass du so redest. Ich weiß ja, du meinst es nicht wirklich so.
Tochter: Aber ich meine es so.
Mutter: Nun, Liebes, ich weiß, du meinst es nicht so. Du kannst dir nicht selber helfen.
Tochter: Ich kann mir selber helfen.
Mutter: Nein, Liebes, ich weiß, du kannst es nicht, denn du bist krank. Würde ich einen Augenblick vergessen, dass du krank bist, dann wäre ich sehr wütend auf dich. (wikipedia)
Decodiert lautet die Mitteilung des Unterbewusstseins der Mutter: „Wenn du nicht akzeptierst, dass du schwach, hilflos und unbedeutend bist, dann werde ich wütend.“ oder
„Deine Äußerungen akzeptiere ich nur unter der Bedingung, dass Du anerkennst, dass Du krank bist“ (wikipedia)
Die Tochter hat die Wahl zwischen den Scheinalternativen entweder nicht ernst genommen zu werden oder sich für krank erklären lassen, wobei die Paradoxie auch darin besteht, dass diese Kommunikationsstrukturen krankmachend sind. (wikipedia)
Es ist in dieser Situation für die Tochter sehr schwierig, metakommunikativ zu agieren. Das kommunikative Verhalten der Mutter verletzt die Gefühle der Tochter, aber sie kann nicht sagen, was an den Aussagen der Mutter eigentlich so verletzend ist. Auf der Inhaltsebene erscheinen deren Äußerungen harmlos zu sein, im Kontext auf der Beziehungsebene entfalten sie jedoch erst ihre destruktive Wirkung. (wikipedia)
Würde die Tochter metakommunikativ intervenieren: „Mutter, wieso nimmst du mich nie ernst und erniedrigst mich?“, so würde die Mutter auf den harmlosen Inhaltsaspekt der Kommunikation verweisen, und somit die Kritik als ungerechtfertigt zurückweisen: „Werd nicht frech, du spinnst ja.“ oder „Das bildest du dir ein.“ Die Feindseligkeit der Mutter ist unscheinbar, weil inhaltlich codiert, aber kontextuell in einem destruktiven Sinne sehr effektiv. (wikipedia)
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